Tuesday 07.07.2020

Aktuelles
Hier finden Sie die neusten Information zur Seniorenbetreuung bei uns.

20. 10. 2014 / 09:29:48

Der Ausbruch von Diabetes lässt sich verhindern

Frühzeitig vorbeugen


Tägliche Insulin-Injektionen gehören für viele Diabetiker zum Alltag. Doch soweit muss es nicht vorkommen, wenn frühzeitig vorgebeugt wird. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mehr Bewegung, eine bewusste Ernährung und Abbau von Übergewicht - mit diesen Maßnahmen können Menschen mit erhöhten Blutzuckerwerten dem Ausbruch eines Typ-2-Diabetes vorbeugen. Denn auf diese Weise werde die Insulinempfindlichkeit der Zellen wieder erhöht, erläutert Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI) und praktizierender Internist in einer Hamburger Gemeinschaftspraxis. Risikopatienten sollten grundsätzlich ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren lassen.

Bei Patienten, die einen sogenannten Alterszucker (Typ-2-Diabetes) entwickeln, werden die
Muskel-, Leber- und Fettzellen zunehmend unempfindlich gegen Insulin. Eine solche Insulinresistenz kann sowohl durch vererbbare Faktoren als auch durch Übergewicht, Fettsucht und Bewegungsmangel ausgelöst werden.

Zu viel Zucker schadet den Blutgefäßen
Die Folge sind erhöhte Blutzuckerwerte, da der Zucker nicht mehr hinreichend mit Hilfe von Insulin von der Blutbahn in die Körperzellen aufgenommen werden kann. Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Blutgefäße, dadurch verschlechtert sich die Durchblutung im gesamten Organismus, und das Risiko für Herz-Kreislauf-, Nieren-, Augenerkrankungen sowie Nervenstörungen steigt (www.internisten-im-netz.de).

Gesunde Ernährung, Bewegung, Normalgewicht
Es gibt fünf Faktoren, die das Risiko für Altersdiabetes beeinflussen, zeigt eine Studie der National Institutes of Health in den USA. Dies sind eine gesunde Ernährung, Bewegung, Normalgewicht, der Verzicht aufs Rauchen sowie nur mäßiger Alkoholkonsum. Als gesunde Ernährung definierten die Wissenschaftler Essgewohnheiten mit viel Obst und Gemüse, aber wenig beziehungsweise vorwiegend gesunden Fetten.

Häufiger zu Fuß gehen
Regelmäßige Bewegung ist demnach eine der wichtigsten Maßnahmen um erhöhte Blutzuckerwerte dauerhaft zu senken. Viel Bewegung im Sinne der Forscher bedeutete mindestens dreimal pro Woche 20 Minuten körperliche Aktivität. Spaziergänge und Nordic Walking sind ideal für Menschen, die bislang wenig aktiv waren. Die Deutsche Diabetes-Stiftung rät zudem, auch den Alltag aktiver zu gestalten. Zum Beispiel kann man häufiger zu Fuß zum Einkaufen gehen, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und lieber die Treppe anstatt den Aufzug benutzen.

Kohlenhydrate? Ja, aber die richtigen
Eine gesunde Ernährung hilft ebenfalls, den Blutzucker in Schach zu halten. Dabei sind Kohlenhydrate nicht generell schlecht, auch wenn sie den Zuckerspiegel im Blut steigen lassen. Entscheidend ist die Geschwindigkeit, mit der die Kohlenhydrate ins Blut gelangen: Während Zucker, süße Getränke und Weißbrot schnell ins Blut schießen, lassen Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte den Blutzucker nur langsam steigen. Letztere werden für Diabetiker sogar ausdrücklich empfohlen.


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22. 09. 2014 / 09:45:09

Transfette verändern das Blut

Gefährliche Krankmacher


Backwaren aus Blätterteig haben einen besonders hohen Anteil an Transfetten.
(Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Transfettsäuren verändern das Fettsäuremuster in den Zellen und im Blut", erklärt Maria Pfeuffer vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe. "Darüber hinaus erhöhen sie das 'schlechte' LDL-Cholesterin und senken das 'gute' HDL-Cholesterin."

Ablagerungen in den Gefäßen
Das LDL-Cholesterin hat die Eigenschaft, sich verstärkt in den Gefäßen abzulagern und damit die Entstehung von Arteriosklerose zu fördern. "Die Wirkung in dieser Hinsicht ist bei den Transfettsäuren sogar noch weitaus ungünstiger als bei den gesättigten Fettsäuren", erklärt die Ernährungswissenschaftlerin. Auch das Risiko für koronare Herzkrankheiten und Diabetes werde durch einen hohen Verzehr erhöht.


Transfettsäuren in gehärteten Pflanzenfetten
Hauptquelle von Transfettsäuren sind industriell gehärtete Pflanzenfette. Beim Härtungsprozess werden aus flüssigen Pflanzenölen streichbare bis feste Fette hergestellt. Transfettsäuren entstehen, wenn die Härtung nicht vollständig erfolgt.

Transfettsäuren kommen auch natürlicherweise in Lebensmitteln vor. Sie sind im Milchfett oder im Fleischfett von Wiederkäuern wie Rind oder Schaf enthalten, allerdings in einer vergleichsweise sehr geringen und daher bei normaler Ernährung sicher unbedenklichen Konzentration. Milchfett enthalte maximal fünf bis sechs Prozent Transfettsäuren, erklärt Pfeuffer. In nach klassischem Verfahren industriell teilgehärteten Pflanzenfett könnten es bis zu 50 oder 60 Prozent sein.


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17. 07. 2014 / 11:43:17

Das zweite Pflegestärkungsgesetz

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff & neues Begutachtungsverfahren

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz soll noch in dieser Wahlperiode der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren eingeführt werden. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen einerseits und mit kognitiven und psychischen Einschränkungen (insbesondere Demenzkranke) andererseits soll dadurch wegfallen. Im Zentrum steht der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Einzelnen. Dadurch wird die Pflegeversicherung auf eine neue Grundlage gestellt. Zur Finanzierung der Leistungsverbesserungen werden mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz die Beiträge zur Pflegeversicherung um weitere 0,2 Prozentpunkte angehoben.

Bereits das erste Pflegestärkungsgesetz, das zum 1. Januar 2015 in Kraft treten soll, sieht Leistungsverbesserungen vor, die auch schon umsetzen, was mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff gewollt ist: eine bessere Berücksichtigung der individuellen Situation von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen und einen Abbau von Unterschieden im Umgang mit körperlichen und geistigen Einschränkungen.

Fünf Pflegegrade, die der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht werden
Statt drei Pflegestufen soll es künftig fünf Pflegegrade geben, die der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht werden. Bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit soll nicht mehr zwischen körperlichen, geistigen und psychischen Beeinträchtigungen unterschieden werden. Ausschlaggebend dafür, ob jemand pflegebedürftig ist, wird der Grad der Selbstständigkeit sein: Was kann jemand noch alleine und wo benötigt er oder sie Unterstützung? Davon profitieren alle Pflegebedürftigen - Demenzkranke und Menschen mit körperlichen Einschränkungen - gleichermaßen. Ausgehend von der Selbstständigkeit einer Person wird das Stadium der Einschränkung in fünf Grade eingestuft, von geringer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (Pflegegrad 1) bis zur schwersten Beeinträchtigung, die mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung einhergeht (Pflegegrad 5).

Um den Grad der Selbstständigkeit einer Person zu messen, werden Aktivitäten in sechs pflegerelevanten Bereichen untersucht. Das Verfahren berücksichtigt erstmals auch den besonderen Hilfe- und Betreuungsbedarf von Menschen mit kognitiven oder psychischen Einschränkungen. Bei dem neuen Begutachtungsverfahren wird nicht wie bei der bisher geltenden Methode die Zeit gemessen, die zur Pflege der jeweiligen Person durch einen Familienangehörigen oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson benötigt wird, sondern es werden Punkte vergeben, die abbilden, wie weit die Selbstständigkeit eine Person eingeschränkt ist. Anhand der Ergebnisse der Prüfung werden die Pflegebedürftigen in einen der fünf Pflegegrade eingeordnet.

Schritte vor der Einführung
Vor der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs muss sicherstellt werden, dass sich das neue Begutachtungssystem in der Praxis bewährt und die Verbesserungen auch wirklich bei den Pflegebedürftigen ankommen. Das wird im Laufe diesen Jahres erprobt und dient als Basis für das zweite Pflegestärkungsgesetz.

Ablauf der Erprobung
Die Erprobung wird im Rahmen von zwei Modellprojekten geschehen, die durch den GKV-Spitzenverband koordiniert werden. In einem Modellprojekt – der „Praktikabilitätsstudie zur Einführung des Neuen Begutachtungsassessments“ – wird untersucht, ob sich das neue Begutachtungsverfahren in der Praxis bewährt. Dadurch sollen durch den Expertenbeirat zur konkreten Ausgestaltung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2013 vorgeschlagene Modifizierungen (z.B. bei Kinderbegutachtungen, bei besonderen Bedarfskonstellationen – Härtefällen, und bei der Klärung des Rehabilitationsbedarfs) überprüft und mögliche Probleme bei der neuen Begutachtung frühzeitig aufgedeckt werden. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbands.
In einem weiteren Modellprojekt zur „Evaluation des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) – Erfassung von Versorgungsaufwänden in stationären Einrichtungen“ wird untersucht, welche Leistungen mit welchem Zeitaufwand für die einzelnen Pflegebedürftigen erbracht werden. Außerdem wird untersucht wie die Pflegebedürftigen nach dem neuen System eingestuft würden. Daraus ergibt sich ein Bild, wie sich heutiger Pflegeaufwand und zukünftiger Pflegegrad in der stationären Pflege zueinander verhalten. Dies sind wichtige Hinweise für die Gesetzgebungsarbeit. Mehr Informationen auch zu diesem Modellprojekt finden Sie auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbands.
Mit der Umsetzung der Modellprojekte wurde bereits begonnen: zunächst werden die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung auf die neuen Regeln geschult. Anschließend werden insgesamt 4.000 Pflegebedürftige in ganz Deutschland, Erwachsene und Kinder, zu Hause und in Pflegeheimen begutachtet – und zwar nach den geltenden und den künftigen Regeln. Parallel wird durch Pflegekräfte begleitet und erfasst, welche konkreten Leistungen in Pflegeheimen mit welchem Zeitaufwand erbracht werden. Die Ergebnisse der beiden Studien werden Anfang 2015 vorliegen und können dann im Gesetzgebungsprozess zur Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs berücksichtigt werden. Begleitet wird die Arbeit an diesen beiden Studien durch ein Begleitgremium, in dem neben Vertretern des BMG, des BMSFJ, des BMAS sowie des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, und dem GKV-Spitzenverband, weitere Institutionen aus Wissenschaft, den Ländern, Leistungserbringerorganisationen, dem Deutschen Pflegerat, dem Patienten- bzw. Verbraucherschutz und der Pflegekassen vertreten sind. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll noch in dieser Wahlperiode eingeführt werden.


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26. 06. 2014 / 11:07:16

Das erste Pflegestärkungsgesetz

Was ändert sich ab dem 1. Januar 2015?

Durch zwei Pflegestärkungsgesetze will das Bundesgesundheitsministerium in dieser Wahlperiode deutliche Verbesserungen in der pflegerischen Versorgung umsetzen. Durch das erste Pflegestärkungsgesetz sollen bereits zum 1. Januar 2015 die Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen spürbar ausgeweitet und die Zahl der zusätzlichen Betreuungskräfte in stationären Pflegeeinrichtungen erhöht werden. Zudem soll ein Pflegevorsorgefonds eingerichtet werden.

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz soll noch in dieser Wahlperiode der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren eingeführt werden. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen und Demenzkranken soll dadurch wegfallen. Im Zentrum steht der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Einzelnen. Dadurch wird die Pflegeversicherung auf eine neue Grundlage gestellt (mehr zum zweiten Pflegestärkungsgesetz erfahren Sie hier).
Durch die Pflegestärkungsgesetze werden die Beiträge für die Pflegeversicherung in zwei Schritten um insgesamt 0,5 Beitragssatzpunkte angehoben. Dadurch stehen fünf Milliarden Euro mehr pro Jahr für Verbesserungen der Pflegeleistungen zur Verfügung. 1,2 Milliarden Euro fließen in einen Pflegevorsorgefonds. Insgesamt können die Leistungen aus der Pflegeversicherung um 20 Prozent erhöht werden.

Der erste Gesetzentwurf zur Stärkung der Pflege wurde vom Bundeskabinett am 28. Mai 2014 beschlossen.

Was ändert sich ab dem 1. Januar 2015?
Hier finden Sie Leistungsverbesserungen zum 1. Januar 2015 in Zahlen:

  • Pflegeleistungen nach Einführung des 1. Pflegestärkungsgesetzes
    (PDF-Datei, 380 KB)
    Die zentralen Verbesserungen sind nachfolgend aufgezählt:

  • Welche Leistungsbeträge der Pflegeversicherung werden erhöht?
  • Was verbessert sich für die Pflege zu Hause?
  • Was wird zur Unterstützung der pflegenden Angehörigen getan?
  • Was verbessert sich in den stationären Pflegeeinrichtungen?
  • Wie werden neue Wohnformen unterstützt?
  • Was verbessert sich für Demenzkranke?
  • Was verbessert sich für körperlich beeinträchtigte Pflegebedürftige (z. B. nach einem Schlaganfall)?
  • Wozu dient der Pflegevorsorgefonds?
  • Wie werden die Leistungsverbesserungen finanziert?
  • Was heißt neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff?
  • Warum wird der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff nicht jetzt eingeführt?
  • Wie soll die Erprobung ablaufen?


  • Welche Leistungsbeträge der Pflegeversicherung werden erhöht?
    Alle Leistungsbeträge der Pflegeversicherung werden um 4 Prozent angehoben, um die Preisentwicklung über den gesetzlich vorgegebenen Zeitraum der letzten drei Jahre zu berücksichtigen. Für Leistungen, die erst mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz Ende 2012/Anfang 2013 eingeführt worden sind, wird für einen Zeitraum von zwei Jahren eine Anpassung um 2,67 Prozent vorgenommen. Darüber hinaus werden weitere Leistungsverbesserungen bei der Pflege zu Hause und in Pflegeeinrichtungen umgesetzt.

    Was verbessert sich für die Pflege zu Hause?
    Die meisten Pflegebedürftigen wünschen sich so lange wie möglich zu Hause in der vertrauten Umgebung gepflegt zu werden. Mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden auch zu Hause gepflegt, meist durch Angehörige oder ambulante Pflegedienste. Um die Pflege zu Hause besser zu unterstützen, werden die Leistungen für die häusliche Pflege um rund 1,4 Milliarden Euro erhöht.

  • Die Leistungen der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege können in Zukunft besser miteinander kombiniert werden.
    Wer eine Kurzzeitpflege in Anspruch nimmt, z.B. wenn der Pflegeaufwand nach einem Krankenhausaufenthalt so hoch ist, dass für ein paar Wochen die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung nötig wird, kann schon heute seinen Anspruch auf Verhinderungspflege hierfür verwenden. Statt vier Wochen sind bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege pro Jahr möglich, die Pflegekasse übernimmt dafür künftig bis zu 3.224 Euro (bisher bis zu 3.100 Euro). Künftig gilt dies in ähnlicher Weise auch bei der Verhinderungspflege: Wenn der pflegende Angehörige krank ist oder eine Auszeit braucht, wird eine Pflegekraft oder Vertretung benötigt. Diese so genannte Verhinderungspflege soll künftig unter entsprechender Anrechnung auf den Anspruch auf Kurzzeitpflege bis zu sechs Wochen in Anspruch genommen werden können statt bisher bis zu vier. Bisher standen für Verhinderungspflege pro Jahr bis zu 1.550 Euro, künftig stehen bis zu 2.418 Euro jährlich zur Verfügung. So können pflegende Angehörige besser die Unterstützung wählen, die in ihrer konkreten Situation am besten hilft.


  • Die Leistungen für Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege) werden ausgebaut.
    Bisher wurden die Inanspruchnahme von Tages-/Nachtpflege und die ambulanten Pflegeleistungen (Pflegegeld und/oder ambulante Sachleistungen) zum Teil aufeinander angerechnet. Das ändert sich: Wer ambulante Sachleistungen und/oder Pflegegeld bekommt, kann künftig Tages- und Nachtpflege daneben ohne Anrechnung voll in Anspruch nehmen. Damit steht deutlich mehr Geld für Betreuung zur Verfügung. Beispiel: Bisher gab es für die Kombination von Tagespflege und ambulanten Pflegesachleistungen in Pflegestufe III bis zu 2.325 Euro. Künftig stehen hierfür bis zu 3.224 Euro monatlich zur Verfügung. Auch Demenzkranke profitieren erstmals von dieser Leistung.


  • Niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote werden gestärkt.
    Die zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen werden ausgebaut und auf alle Pflegebedürftigen ausgedehnt. Demenzkranke bekommen schon heute bis zu 100 oder 200 Euro/Monat (ab 1.1.2015: bis zu 104 oder 208 Euro/Monat). Künftig werden auch bei rein körperlicher Beeinträchtigung 104 Euro pro Monat von der Pflegekasse erstattet. Damit können Leistungen von Kurzzeit- und Verhinderungspflege, Tages- und Nachtpflege und Betreuungsleistungen durch ambulante Pflegedienste oder nach Landesrecht anerkannte niedrigschwellige Angebote finanziert werden. Es können aber auch anerkannte Haushalts- und Serviceangebote oder Alltagsbegleiter finanziert werden, die bei der hauswirtschaftlichen Versorgung und der Bewältigung sonstiger Alltagsanforderungen im Haushalt helfen. Das können auch Pflegebegleiter der Angehörigen sein, die bei der Organisation und Bewältigung des Pflegealltags helfen. Und auch die Aufwandsentschädigung für einen, nach Landesrecht anerkannten ehrenamtlichen Helfer, kann damit bezahlt werden, der zum Beispiel beim Gang auf den Friedhof begleitet oder beim Behördengang unterstützt. Niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote können künftig auch anstelle eines Teils der Pflegesachleistung in Anspruch genommen werden (neue "Umwidmungsmöglichkeit" in Höhe von bis zu 50 Prozent des jeweiligen ambulanten Pflegesachleistungsbetrags).


  • Die Zuschüsse für Umbaumaßnahmen und Pflegehilfsmittel werden erhöht.
    Oft sind es Umbaumaßnahmen wie Rollstuhlrampen, begehbare Duschen oder die Verbreiterung von Türen, die es Pflegebedürftigen ermöglichen, im eigenen Zuhause oder in einer Pflegewohngemeinschaft zu bleiben. Daher werden ab dem 1. Januar 2015 die Zuschüsse hierfür deutlich gesteigert: Von bisher bis zu 2.557 Euro auf zukünftig bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme. Leben mehrere Pflegebedürftige gemeinsam in einer Wohnung, können sie statt bis zu 10.228 Euro jetzt bis zu 16.000 Euro pro Maßnahme erhalten. Auch die Zuschüsse zu Pflegehilfsmitteln, die im Alltag verbraucht werden, werden deutlich angehoben (von bis zu 31 Euro auf bis zu 40 Euro je Monat).


  • Was wird zur Unterstützung der pflegenden Angehörigen getan?
    Jede Pflegesituation ist anders. Die pflegenden Angehörigen sollen deshalb besser in ihrer konkreten Situation entlastet werden. Die Unterstützungsangebote werden ausgeweitet, und die Leistungen können passgenauer in der konkreten Situation eingesetzt werden. Damit steht auch mehr Geld für Betreuung zur Verfügung. Unterstützungsleistungen wie die Kurzzeit-, Verhinderungs- und Tages- und Nachtpflege, sollen ausgebaut und besser miteinander kombiniert werden können. Zudem können mehr zusätzliche niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote in Anspruch genommen werden und die Zuschüsse für nötige Umbaumaßnahmen und zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel steigen deutlich. Auch die Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf soll verbessert werden. Wer kurzfristig die Pflege eines Angehörigen organisieren muss, etwa nach einem Schlaganfall, kann künftig eine Lohnersatzleistung für eine bis zu zehntägige Auszeit vom Beruf erhalten, vergleichbar dem Kinderkrankengeld. Durch das erste Pflegestärkungsgesetz werden zur Finanzierung dieser Leistung 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Lohnersatzleistung soll in einem separaten Gesetz geregelt werden, das ebenfalls am 1.1.2015 in Kraft treten soll.

    Was verbessert sich in den stationären Pflegeeinrichtungen?
    Mehr zusätzliche Betreuungskräfte in voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen.

    In stationären Pflegeeinrichtungen werden die Leistungen im Umfang von rund 1 Milliarde Euro verbessert. Damit wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Zahl der zusätzlichen Betreuungskräfte von bisher rund 25.000 auf bis zu 45.000 Betreuungskräften erhöht werden kann. Die ergänzenden Betreuungsangebote durch zusätzliche Betreuungskräfte sollen künftig allen Pflegebedürftigen offen stehen, bisher waren sie Pflegebedürftigen mit erheblichem allgemeinen Betreuungsbedarf (z.B.Demenzkranke) vorbehalten. Das verbessert den Pflegealltag in den voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen. Zudem profitieren die Pflegebedürftigen in Pflegeeinrichtungen natürlich auch von der Erhöhung der Leistungsbeträge aus der Pflegeversicherung.

    Wie werden neue Wohnformen unterstützt?
    Neue Wohnformen werden besser unterstützt.

    Der Wohngruppenzuschlag, den Pflegebedürftige aus der Pflegeversicherung erhalten, wenn sie eine Pflegekraft in einer ambulant betreuten Wohngruppe mit mindestens drei Pflegebedürftigen beschäftigen, wird künftig auf 205 Euro pro Monat erhöht. Außerdem gibt es eine Anschubfinanzierung (bis zu 2.500 Euro je Pflegebedürftigen, maximal 10.000 Euro insgesamt je Wohngruppe) für die Gründung einer ambulant betreuten Pflege-Wohngruppe, die künftig einfacher in Anspruch genommen werden kann. Diese Leistungen stehen künftig auch Personen in der so genannten Pflegestufe 0 (insbesondere Demenzkranke) zur Verfügung. Auch der Zuschuss für Umbaumaßnahmen wird deutlich aufgestockt, Wohngruppen können künftig bis zu 16.000 Euro erhalten. Das hilft auch den neuen Wohnformen.

    Was verbessert sich für Demenzkranke?
    Der Leistungsanspruch von demenziell Erkrankten wird deutlich erweitert.

    Bislang hatten Menschen, die zwar in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt sind, deren Pflegebedarf aber unterhalb der Pflegestufe I liegt (sogenannte Pflegestufe 0), nur einen eingeschränkten Leistungsanspruch. Dieser wird jetzt maßgeblich erweitert: Künftig können diese Versicherten auch Leistungen der Tages- und Nachtpflege, der Kurzzeitpflege und den Zuschlag für Mitglieder ambulant betreuter Wohngruppen erhalten. Zudem wird ihnen ermöglicht, die Anschubfinanzierung für ambulant betreute Wohngruppen zu bekommen. Damit erhalten sie jetzt Zugang zu allen Leistungen im ambulanten Bereich, die auch Personen mit einer Pflegestufe zustehen. Das vereinfacht auch die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs.

    Was verbessert sich für körperlich beeinträchtigte Pflegebedürftige (z. B. nach einem Schlaganfall)?
    Vorwiegend körperlich beeinträchtigte Pflegebedürftige erhalten einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen.

    Bislang hatten nur Menschen mit einer auf Dauer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz (also insbesondere an Demenz Erkrankte) einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach § 45b SGB XI. Auch das wird sich jetzt grundlegend ändern: Pflegebedürftige, die stärker körperlich eingeschränkt sind –z. B. nach einem Schlaganfall – erhalten jetzt ebenfalls einen Anspruch auf entsprechende Leistungen. Damit bekommen die Betroffenen nun auch erstmals einen Anspruch auf niedrigschwellige Hilfen, d.h. sie können sich vor Ort ein Angebot suchen, das nach Landesrecht anerkannt ist, und bekommen die Kosten bis zur Höhe von 104 Euro monatlich bzw. 1.248 Euro pro Jahr erstattet. Zudem steht ihnen künftig ebenfalls die – oben bereits angeführte – Möglichkeit zu, zusätzlich maximal den hälftigen Anspruch auf ambulante Sachleistungen für solche niedrigschwelligen Angebote zu verwenden.

    Wozu dient der Pflegevorsorgefonds?
    Mit dem Pflegevorsorgefonds sollen mögliche Beitragssteigerungen in der Zukunft abgefedert werden.

    Pflege stärken heißt für auch, Pflege nachhaltig zu sichern. Um die Beitragsbelastung künftiger Generationen und der jetzt jüngeren Menschen in den Jahren zu begrenzen, in denen die geburtenstarken Jahrgänge ins „Pflegealter“ kommen, wird ein Pflegevorsorgefonds in Form eines Sondervermögens gebildet, der von der Bundesbank verwaltet wird. In diesen Fonds werden ab 2015 jährlich die Einnahmen aus 0,1 Beitragssatzpunkten (derzeit rd. 1,2 Mrd. Euro) eingezahlt. Ab dem Jahr 2035 kann dann jährlich über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren jeweils bis zu einem Zwanzigstel des angesammelten Kapitals an den Ausgleichsfonds der Pflegeversicherung abgeführt werden, um so übermäßige Beitragssatzsteigerungen abzufedern.

    Wie werden die Leistungsverbesserungen finanziert?
    2015 wird der Beitragssatz in einem ersten Schritt um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent und 2,6 Prozent für Kinderlose steigen. Die vorgesehenen Leistungsverbesserungen werden mit den Einnahmen aus 0,2 Prozentpunkten (2,4 Milliarden Euro jährlich) finanziert. Davon fließen 1,4 Milliarden Euro in Verbesserungen für die Pflege zu Hause. 1 Milliarde Euro stehen für Verbesserungen in Pflegeheimen zur Verfügung. 1,2 Milliarden Euro pro Jahr fließen in einen Pflegevorsorgefonds. Dadurch sollen mögliche Beitragssteigerungen abgefedert werden, wenn ab 2034 die geburtenstarken Jahrgänge ins Pflegealter kommen.


    Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz werden die Beiträge zur Pflegeversicherung nochmals um 0,2 Prozentpunkte angehoben. Durch diese beiden Beitragssatzerhöhungen stehen insgesamt fast fünf Milliarden Euro mehr für Verbesserungen der Pflegeleistungen zur Verfügung. Die Leistungen der Pflegeversicherung können dadurch um etwa 20 Prozent ausgeweitet werden.


    Quelle

    14. 05. 2014 / 11:49:55

    Alzheimer beginnt nicht immer mit Vergesslichkeit

    Symptome im Frühstadium


    Vergesslichkeit muss nicht immer ein Anzeichen für Alzheimer sein.
    (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

    Nicht immer ist Vergesslichkeit das zentrale Anzeichen für eine Alzheimer-Erkrankung. Viel öfter haben Demenz-Patienten im Frühstadium mit anderen Symptome. So haben Betroffene beispielsweise Probleme bei der Arbeit - sind schusselig, machen kleine Fehler oder es fällt ihnen schwer, sich in Gesprächen richtig auszudrücken.

    Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. weist daraufhin, dass Vergesslichkeit allein noch kein Warnsignal für eine Demenz ist. Studien haben gezeigt, dass fast jeder zweite Patient anfangs keine Gedächtnisprobleme hat, sondern anders auffällt: Wegen Sprach- oder Sehstörungen oder weil er nicht mehr in der Lage war, Aufgaben zu übernehmen und zu Ende zu bringen.

    Sprach- und Konzentrationsschwierigkeiten

    So kommt es häufig vor, dass Betroffene im Anfangsstadium zunehmend Probleme bei der Arbeit haben, da sie sich nicht richtig konzentrieren können. Zudem fällt es vielen schwer, eine normale Unterhaltung zu führen, da sie plötzlich nicht mehr die richtigen Worte finden oder die Bedeutung von Worten einfach vergessen. Diese Störungen machen die Bewältigung des normalen Alltagslebens immer schwieriger.


    Quelle

    08. 04. 2014 / 10:52:30

    Regierung will Pflegeversicherung umbauen

    Mehr Hilfe für Demenzkranke


    Demenzkranke sollen durch die Reform der Pflegeversicherung besser erfasst werden (Quelle: dpa)

    Rund 20 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung will die Bundesregierung das Verfahren zur Einstufung der Betroffenen umstellen. Statt drei Pflegestufen soll es künftig voraussichtlich fünf Einstufungsgrade geben. Hauptziel ist es, die immer zahlreicheren Menschen mit Demenz verstärkt in die Pflegeversicherung aufnehmen zu können. Technisch soll dies ein sogenannter neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff gewährleisten.

    Nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe(CDU), der die geplanten Änderungen am Dienstag vorstellen will, soll das neue Begutachtungsverfahren in Pflegeeinrichtungen auf seine Praxistauglichkeit getestet werden. Der Test soll auch dazu führen, dass im Vergleich zu heute Pflegebedürftige nicht schlechter gestellt werden.

    Beitragssteigerung zu erwarten

    Insgesamt soll für die Pflegereform der Beitrag um 0,5 Prozentpunkte in dieser Wahlperiode erhöht werden - rund 6 Milliarden Euro mehr soll dies jährlich erbringen. Aus dem Topf sind für die Einführung des neuen Pflegebegriffs und die damit verbundene Besserstellung von Demenzkranken 2,4 Milliarden Euro eingeplant.
    Diese zweite Reformstufe soll Anfang 2017 starten. Zuvor sollen im kommenden Jahr bereits Leistungen angehoben und erweitert werden.

    Hitzige Debatte um Pflegebegriff

    Der neue Pflegebegriff ist in der Branche mit vielen Forderungen, Warnungen und Emotionen verbunden. Seit Jahren gibt es dafür Vorarbeiten von Regierungsberatern. Mehrere Bundesregierungen hatten bereits eine Umsetzung der Pläne angepeilt.
    Der Sozialverband VdK hat im März eine Petition mit dem Ziel einer raschen Umsetzung für den Bundestag eingebracht. Sie hat mittlerweile mehr als 3300 Online-Mitzeichner. Andere warnen vor zu großen Hoffnungen - schon allein angesichts des Mangels an Pflegern seien den Reformbemühungen Grenzen gesetzt.

    Demenzkranke haben das Nachsehen

    Die Pflegeversicherung war 1995 eingeführt worden. Doch Beeinträchtigungen in der Wahrnehmung wie bei Demenz galten lange als nicht erfasst. Dies änderte sich zwar Schritt für Schritt, doch systematisch sind Demenzkranke immer noch nicht erfasst, und Hunderttausende gehen leer aus.


    Quelle

    25. 03. 2014 / 10:09:52

    Arzneimittelversorgung

    Herstellerabschläge für Arzneimittel

    Mit dem 14. SGB V-Änderungsgesetz wird zum 1. April 2014 der Herstellerabschlag für erstattungsfähige Arzneimittel von 6 auf 7% angehoben. Neben diesem gibt es noch weitere Herstellerabschläge in der gesetzlichen Krankenversicherung.



    Es ist zwischen verschiedenen gesetzlichen Herstellerabschlägen zu unterscheiden:


    Für erstattungsfähige Arzneimittel ohne Festbetrag gilt ab dem 1. April 2014 ein Herstellerabschlag von 7 % (§ 130a Abs. 1 SGB V). Für patentfreie, wirkstoffgleiche Arzneimittel fällt abweichend davon – auch nach dem 1. April 2014 – nur ein Abschlag in Höhe von 6 % an. Dieser Herstellerabschlag in Form des Mengenrabatts soll die in anderen Wirtschaftsbereichen übliche und allgemein akzeptierte Möglichkeit ersetzen, für die Wahrung einer kurzen Zahlungsfrist ein Skonto und für Großabnehmer einen Mengenrabatt einzuräumen. Soweit Rabattverträge mit einzelnen Krankenkassen oder Erstattungsbetragsvereinbarungen mit dem GKV-Spitzenverband geschlossen werden, kann der Herstellerabschlag abgelöst werden.
    Für patentfreie, wirkstoffgleiche Arzneimittel (Generika und patentfreie Referenzarzneimittel) gilt zusätzlich zum Mengenrabatt nach § 130a Abs. 1 SGB V in Höhe von 6 % ein Abschlag von 10 % (sog. Generikaabschlag, §130a Abs. 3b SGB V).
    Arzneimittel im untersten Preisbereich von mindestens 30 % unter dem jeweils gültigen Festbetrag sind von diesem Abschlag freigestellt, so dass eine finanzielle Überforderung der besonders preisgünstigen Arzneimittel vermieden wird.
    Bei Impfstoffen für erstattungsfähige Schutzimpfungen (§ 20d Abs. 1 SGB V) orientiert sich der zu zahlende Abschlag an dem von den Unternehmen erzielten Durchschnittspreis in den vier Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mit den am nächsten kommenden Bruttonationaleinkommen, um auch insofern ein angemessenes Ausgabenniveau für die gesetzliche Krankenversicherung zu gewährleisten.
    Bis zum 31. Dezember 2013 galt für verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Festbetrag mit Ausnahme der patentfreien, wirkstoffgleichen Arzneimittel zudem ein erhöhter Abschlag von insgesamt 16 % (§ 130a Abs. 1a SGB V).Mit der Entscheidung für eine Verlängerung des Preismoratoriums und eine Anhebung des Mengenrabatts (§ 130aAbs. 1 SGB V) von 6 % auf 7 % durch das 13. SGB V-ÄndG sowie das 14. SGB V-ÄndGwurde dieser erhöhte Herstellerabschlag abgelöst.
    Auch das Preismoratorium (§ 130a Abs. 3a SGB V) ist nach seiner regelungstechnischen Ausgestaltung als Herstellerabschlag konzipiert.


    Quelle

    07. 03. 2014 / 17:08:07

    Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe:
    
„Wir sichern eine bezahlbare Arzneimittelversorgung auf hohem Niveau“

    Bundestag beschließt 14. Gesetz zur Änderung des Fünften Buches
    Sozialgesetzbuch

    Berlin, den 21. Februar 2014
    Der Bundestag hat gestern Abend in 2. und 3. Lesung das 14. Gesetz zur Änderung des Fünften Buches Sozialgesetzbuch beschlossen. Mit dem Gesetz werden verschiedene Vorhaben des Koalitionsvertrages umgesetzt. Ziel ist es, eine patientenorientierte, finanzierbare Arzneimittelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sicher zu stellen. Außerdem erhalten Krankenkassen und Hausärzte bei den Verträgen zur hausarztzentrierten Versorgung mehr Spielräume. Dadurch wird die hausärztliche Versorgung gestärkt. Zur Beratung und zum Beschluss im Deutschen Bundestag sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: „Mit der Gesetzesänderung sparen wir der gesetzlichen Krankenversicherung und damit den Beitragszahlern rund 650 Millionen Euro im Jahr und sichern eine bezahlbare Arzneimittelversorgung auf hohem Niveau. In diesem Sinne wollen wir weiterarbeiten. Ich werde deshalb mit den forschenden Arzneimittelherstellern in einen Dialog treten. Denn trotz aller berechtigter Diskussionen über bezahlbare Arzneimittel müssen wir uns immer auch bewusst machen: Ohne die Innovationsfähigkeit unserer forschenden Arzneimittelhersteller müssten die Menschen auf viele Verbesserungen im Arzneimittelbereich verzichten.“
    Die Regelungen im Einzelnen:
    Verlängerung des Preismoratoriums, Anhebung des Herstellerabschlags und Streichung der Möglichkeit der Nutzenbewertung von Arzneimitteln aus dem Bestandsmarkt

    Mit den Gesetz wird das bestehende Preismoratorium, das für Arzneimittel seit dem 1. August 2010 gilt, bis Ende 2017 verlängert. Ausgenommen werden hiervon Arzneimittel, für die es einen Festbetrag gibt. Der Herstellerabschlag in Form eines Mengenrabatts wird von 6 auf 7 Prozent für alle Arzneimittel – mit Ausnahme der patentfreien, wirkstoffgleichen Arzneimittel – angehoben. Beide Maßnahmen dienen dazu, dem langjährigen Trend steigender Arzneimittelausgaben der Krankenkassen zu begegnen und die finanzielle Stabilität der GKV sicherzustellen.
    Mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) wurde im Jahr 2011 eine Nutzenbewertung für alle neuen Arzneimittel, aber auch für bereits auf dem Markt befindliche Arzneimittel, eingeführt. Erste Erfahrungen deuten darauf hin, dass der methodische und administrative Aufwand bei der Bewertung des Bestandsmarktes unverhältnismäßig hoch ist. Künftig sollen daher Arzneimittel, die bereits vor dem 1. Januar 2011 im Verkehr waren (sog. Bestandsmarkt) von dieser Regelung ausgenommen werden. Um dafür einen wirtschaftlichen Ausgleich zu schaffen, ist die Verlängerung des Preismoratoriums wichtig.

    Erstattungsbetrag für Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen
    Im Hinblick auf den Erstattungsbetrag für Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen wird klargestellt, dass der Erstattungsbetrag die Grundlage für die Berechnung von Zu- und Abschlägen in den Vertriebsstufen ist. Der auf der Grundlage des Erstattungsbetrags berechnete Abgabepreis wird damit auch zur Grundlage für die weitere Abrechnung einschließlich der Berechnung der Mehrwertsteuer und der Zuzahlung der Versicherten. Darüber hinaus wird klargestellt, dass die Phase der freien Preisbildung nur einmalig je Wirkstoff gewährt wird. Um die praktische Erfahrungen in die Verhandlungen über die Erstattungsbeträge einzubringen, soll künftig jeweils ein Vertreter einer Krankenkasse an den Verhandlungen teilnehmen.


    Substitutionsausschlussliste
    Schon länger gab es den Auftrag an den Spitzenverband Bund der gesetzlichen Krankenkassen und die Apothekerschaft, eine Liste von Medikamenten zu erstellen, die im Rahmen von Rabattverträgen nicht gegen ein anderes wirkstoffgleiches und therapeutisch gleichwertiges Medikament ausgetauscht werden dürfen. Dies kommt in den Fällen in Betracht, in denen zur sachgerechten medizinischen Versorgung Patienten regelhaft nur das vom Arzt verordnete Präparat erhalten sollen. Die Verhandlungen dazu verliefen jedoch schleppend. Die beiden Vertragspartner einigten sich bisher auf zwei Arzneimittel. Vor diesem Hintergrund regelt das neue Gesetz, dass diese Aufgabe an den Gemeinsamen Bundesausschuss übertragen wird, in dem auch Patientenvertreter und die Ärzteschaft ihre Kompetenz einbringen können.


    Hausarztzentrierte Versorgung Im Bereich der hausarztzentrierten Versorgung werden die bestehenden Vergütungsbeschränkungen aufgehoben. Krankenkassen und Hausärzte müssen künftig Wirtschaftlichkeitskriterien und Regelungen zur Qualitätssicherung vereinbaren. Die Einhaltung der Wirtschaftlichkeit ist der Aufsichtsbehörde vier Jahre nach Beginn des Vertrages nachzuweisen. Zugelassene strukturierte Behandlungsprogramme (Disease-Management-Programm/ abgekürzt DMP) werden, soweit sie die hausärztliche Versorgung betreffen, Bestandteil der Verträge.


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    04. 02. 2014 / 09:32:26

    Ambulante Pflege

    Pflegehilfsmittel

    Was wird unter Pflegehilfsmitteln verstanden?
    Grundsätzlich werden darunter Geräte und Sachmittel verstanden, die zur häuslichen Pflege notwendig sind, sie erleichtern und dazu beitragen, dem Pflegebedürftigen eine selbstständige Lebensführung zu ermöglichen. Die Pflegekasse unterscheidet:



    • technische Pflegehilfsmittel wie beispielsweise ein Pflegebett, Lagerungshilfen oder ein Notrufsystem
    • Verbrauchsprodukte wie zum Beispiel Einmalhandschuhe oder Betteinlagen

    Wann kommt die Pflegekasse für die Kosten der Pflegehilfsmittel auf?
    Kosten für Pflegehilfsmittel werden von der Pflegeversicherung übernommen, wenn keine Leistungsverpflichtung der Krankenkasse besteht. Das Pflegehilfsmittelverzeichnis der Pflegekassen informiert darüber, welche Pflegehilfsmittel zur Verfügung gestellt bzw. leihweise überlassen werden.


    Wie hoch sind die Zuzahlungen durch die Pflegekassen für die Pflegehilfsmittel?
    Zu den Kosten für technische Pflegehilfen muss der Pflegebedürftige einen Eigenanteil von 10 Prozent, maximal jedoch 25 Euro zuzahlen. Größere technische Pflegehilfsmittel werden oft leihweise überlassen, so dass eine Zuzahlung entfällt. Die Kosten für Verbrauchsprodukte werden bis zu 31 Euro pro Monat von der Pflegekasse erstattet. Wenn Rollstühle oder Gehhilfen ärztlich verordnet werden, tragen die Krankenkassen die Kosten.


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    13. 01. 2014 / 09:44:29

    Ambulante Pflege

    Einzelpflegekräfte

    Dabei handelt es sich um Pflegekräfte, wie zum Beispiel eine Altenpflegerin oder einen Altenpfleger, die sich selbstständig gemacht haben.

    Kann auch ich Einzelpflegekräfte engagieren?
    Sie haben die Möglichkeit, selbstständige Pflegekräfte in Anspruch zu nehmen. Die praktische Umsetzung der häuslichen Pflege durch Einzelpersonen wurde durch das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz gestärkt. Dadurch müssen die Pflegekassen vertragliche Vereinbarungen mit geeigneten Pflegekräften eingehen, soweit keine konkreten Gründe vorliegen, die dem entgegenstehen. Ziel ist es, den Pflegebedürftigen dadurch ein weitestgehend selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen oder den besonderen Wünschen zur Gestaltung der Hilfe Rechnung zu tragen. Erfolgt die Pflege durch Einzelpflegekräfte, müssen diese mit Ihnen einen Pflegevertrag abschließen, in dem Art, Inhalt und Umfang der Leistungen einschließlich der vereinbarten Vergütungen darzustellen sind. Die Abrechnung erfolgt unmittelbar zwischen der zugelassenen Einzelpflegekraft und der Pflegekasse.

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    05. 12. 2013 / 11:09:08

    Alkoholmissbrauch ist das größte Demenzrisiko

    Studie untersucht frühe Form der Demenz

    Demenz kann schon vor dem 65. Lebensjahr beginnen.
    (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

    Wenn Demenz vor dem 65. Lebensjahr beginnt, reißt sie die Betroffenen mitten aus dem Leben. Mediziner sprechen dann von der "Young-onset dementia (YOD). Bislang glaubte man, dass vor allem genetische Faktoren an der frühen Form von Hirnverfall beteiligt sind. Doch eine schwedische Studie zeigt: Die größten Risiken für frühe Demenz entstehen an anderer Stelle.

    480.000 Wehrpflichtige untersucht

    Das Forscherteam der Umea University und des Karolinska Institute nutzten Daten einer Untersuchung von Wehrpflichtigen, die zwischen 1969 und 1979 zur Musterung kamen. Die 480.000 Studienteilnehmer wurden körperlich und psychologisch untersucht. Daneben wurden Alkohol- und Medikamentenkonsum sowie die Krankheitsgeschichte der Familie erfasst. Die Gesundheit der Probanden wurde rund 37 Jahre später erneut untersucht.

    Alkoholmissbrauch verfünffacht das Demenzrisiko

    Das Ergebnis: 487 Studienteilnehmer waren in der Zwischenzeit an Demenz erkrankt - im Schnitt mit 54 Jahren. Die Forscher konnten anhand der Daten neun Faktoren identifizieren, die das Erkrankungsrisiko erhöhten. Der mit Abstand größte Risikofaktor war der übermäßige Alkoholkonsum. Er erhöhte das YOD-Risiko fast um das Fünffache.

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    Laut WHO sollten Frauen täglich nicht mehr als ein bis zwei kleine Gläser (0,2 Liter) Bier oder ein kleines Glas Wein (0,125 Liter) trinken. Bei Männern liegt das Maximum bei drei kleinen Gläsern Bier oder 0,25 Liter Wein.

    Schlaganfall, Depressionen und Medikamente als Risiken

    Auf Platz zwei und drei der größten Risikofaktoren folgten Schlaganfall(Risiko 2,96-fach erhöht) und die Einnahme von Antipsychotika (Risiko 2,75-fach erhöht). Auch Depressionen sowie Demenz beim Vater steigerten die Gefahr, selbst zu erkranken, deutlich. Dagegen spielte eine Demenz bei der Mutter bezüglich des eigenen Risikos keine Rolle.

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    04. 11. 2013 / 15:09:47

    Merkel will Pflegebeiträge schrittweise erhöhen

    Die Deutschen müssen sich nach Aussage von Kanzlerin Merkel auf steigende Beiträge zur Pflegeversicherung einstellen. Sie begründete die Erhöhung mit der immer größeren Zahl an Pflegebedürftigen.

    Foto: dpaBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bereitet die Bürger auf steigende Beiträge zur Pflegeversicherung vor



    Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat weitere Beitragserhöhungen bei der Pflegeversicherung in den kommenden Jahren angekündigt. "Die Zahl der Pflegebedürftigen wird steigen", sagte sie zur Begründung in einem Interview der hannoverschen "Neuen Presse".
    Wenn man Menschen für den Pflegeberuf interessieren wolle, "gehört eine gute Bezahlung dazu, aber gute Bezahlung alleine garantiert noch nicht eine ausreichende Zahl von Pflegekräften", unterstrich die Kanzlerin. Die Bundesregierung habe in dieser Legislaturperiode einige wichtige Verbesserungen eingeführt, vor allem für die Bedürfnisse von Demenz-Kranken.

    "Für dieses Mehr an Leistung haben wir die Beiträge um 0,1 Prozent erhöht. Wir werden auch in Zukunft die Pflegeversicherungsbeiträge leicht anheben müssen, um mit der Ausweitung der Leistung Schritt zu halten", erklärte Merkel. Eine Dynamisierung der Beiträge stehe aber nicht an: "Es wird keine automatische Dynamisierung geben."
    Einen konkreten Wert der nächsten Beitragssteigerungen könne "jetzt niemand seriös" nennen. "Dass die Erhöhung des Pflegebeitrages sehr maßvoll geschehen muss, versteht sich außerdem von selbst", sagte Merkel.

    Fachkräftemangel verschärft sich

    Der Fachkräftemangel in der Pflegebranche wird laut Bundesagentur für Arbeit (BA) in den kommenden Jahren immer akuter. Ende 2016 fehlten voraussichtlich knapp 19.000 examinierte Altenpflegefachkräfte und ebenso viele einfache Pflegehelfer, heißt es in einem noch unveröffentlichten BA-Bericht zur Situation in der Altenpflege, der der"Rheinischen Post" vorliegt. Insgesamt geht die Nürnberger Arbeitsverwaltung demnach von fast 40.000 fehlenden Pflegekräften in drei Jahren aus.
    Bei den Pflegefachkräften zeichnen sich dem Papier zufolge bereits heute Engpässe ab. So sei die Arbeitslosigkeit unter examinierten Pflegern in den fünf Jahren von August 2008 bis August 2013 um 52 Prozent zurückgegangen. Die Nachfrage nach Pflegefachkräften sei im gleichen Zeitraum um 126 Prozent gestiegen. "Im Schnitt der letzten zwölf Monate kamen auf 100 gemeldete Stellen lediglich 39 arbeitslose Altenpflegefachkräfte", so die Arbeitsagentur.

    Bei den Pflegehelfern registriert die BA dagegen aktuell noch keinen Mangel: Auf 100 offene Stellen kämen 802 arbeitslose Helfer. Allerdings sei auch hier die Nachfrage seit August 2008 explosionsartig gestiegen – um 155 Prozent.


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    04. 11. 2013 / 14:31:57

    "Lassen Sie ihn, der liegt doch schon im Sterben"

    Die Entscheidung, pflegebedürftige Angehörige in ein Heim zu geben, fällt nicht leicht. Umso schlimmer, wenn sie statt Zuwendung Gewalt und Missachtung erfahren. Eine schockierende Nahaufnahme.

    Von Anette Dowideit



    Foto: Die Kinder haben die Verletzungen ihres Vaters auch auf Fotos dokumentiert



    Am Ende war es dieser eine Satz, der die Entscheidung brachte. Er fiel an einem Nachmittag, als sie wieder einmal am Bett des Vaters standen, der schon lange nicht mehr aufstehen konnte. Es war nicht das erste Mal, dass sie den Satz hörten, aber diesmal sagte ein Pfleger ihn einfach so, vor allen, über das Bett hinweg: "Nun lassen sie ihn doch, er liegt doch schon im Sterben."

    Stephan M. war zu diesem Zeitpunkt 91 Jahre alt und konnte nicht mehr viel. Im Heim war er zu einem gebrechlichen Menschen geworden. Hören aber konnte er noch sehr gut. Die Kinder nahmen den Vater aus dem Heim. Trotz all der Beschwernisse, die das für den alten Mann bedeuten würde.

    Monatelang hatten sie da schon mit sich gerungen: Sollten sie für den Vater in diesem Alter und in diesem Zustand wirklich noch einmal ein neues Zuhause suchen? Würde er das überleben? Andererseits: Musste er nicht einfach nur heraus aus diesem Heim, in dem er seit Wochen – wie die Kinder sagen – nicht mehr richtig gewaschen wurde, manchmal über Stunden im eigenen Kot und Urin gelegen hatte und kaum noch Essen bekam?




    Foto: Stephan M. war damals 91 Jahre alt und konnte nicht mehr viel



    Wo er nur noch im Bett lag, weinte und wimmerte, den Körper übersät mit blauen Flecken, die Hände zu Fäusten geballt. Niemand von den Pflegern konnte oder wollte ihnen erklären, woher die blauen Flecken stammten, woher die offenen Stellen an seiner Haut. Die Kinder hatten Angst um den Vater. Am Ende trauten sie sich nicht mehr, ihn allein zu lassen.

    Wahr ist aber auch: Es war bestimmt nicht einfach für die Pfleger mit dem verängstigten alten Mann. Nach einem Schlaganfall konnte er nicht sehen, konnte kaum noch sprechen, einen Arm nicht mehr bewegen, nicht selbst laufen. Vielleicht schubste er die Männer und Frauen, die sich um ihn kümmerten, manchmal vor Schreck weg. Etwa wenn er ohne Vorwarnung angefasst wurde. Vielleicht wehrte er sich, wenn er gehoben werden sollte.

    Wenn Stephan M.s Tochter Doris und ihre Schwester Brigitte K. über das sprechen, was ihr Vater über vier Jahre im Heim erlebt hat, steigen der einen die Tränen auf, die andere braucht immer mal wieder eine Zigarettenpause, um sich zu sammeln. Selbst jetzt noch, zwei Jahre danach. Ihr Vater ist inzwischen gestorben – vor einem Jahr, glücklich und zufrieden, sagen seine Kinder, in einem anderen Altenheim.

    Opfer von Gewalt und schweren Pflegefehlern

    Die beiden Schwestern sitzen in einem Café nahe dem Bremer Hauptbahnhof. Sie und der Rest der Familie sind sicher: Der Vater muss im Heim Opfer von Gewalt und schweren Pflegefehlern geworden sein. Davon zeugten die Spuren an seinem Körper. Und die Tatsache, dass der Vater, der kaum noch sprechen konnte, sich vor manchen Pflegern richtiggehend fürchtete. "Am Schluss hatten wir einfach nur noch Angst um sein Leben", sagt Doris M. "Wir haben alles aufgeboten an Freunden und Bekannten, damit er nicht unbewacht den Pflegern ausgeliefert ist."

    Die Geschichte von Stephan M. spielt sich tausendfach und ganz ähnlich jeden Tag in Deutschland ab. Davon zeugen Untersuchungen der Pflegekassen, Protokolle der staatlichen Aufsichtsbehörden und die Erfahrung vieler Angehörigenverbände. Nicht nur körperliche Gewalt ist weitverbreitet, sondern auch die sogenannte strukturelle – also die systematische Vernachlässigung der Alten.

    36.000 Menschen, so viele wie die Bewohner einer Kleinstadt, leiden laut offiziellen Schätzungen in deutschen Pflegeheimen Hunger oder Durst, weil niemand Zeit hat, ihnen beim Essen oder Trinken zu helfen. 14.000 Menschen werden an Bett und Rollstuhl gefesselt, ohne dass die Pfleger dafür eine Genehmigung haben. Fast eine Viertelmillion Demenzkranker wird mit Psychopharmaka ruhiggestellt.

    Harte Strafen, etwa Berufsverbote, gibt es in der Altenpflege dennoch fast nie. Die deutsche Gesetzgebung sieht das einfach nicht vor. Der Fall von Stephan M. ist ein gutes Beispiel dafür, warum die Strafverfolgungsbehörden nur wenig ausrichten können. Selbst dann nicht, wenn Pflegefehler und Vernachlässigungen sich beweisen lassen.

    Der Fall von Stephan M. ist genau dokumentiert. Seine Tochter Doris, die drittjüngste von acht Kindern, hat drei Jahre lang Protokoll geführt über das, was ihrem Vater und anderen Bewohnern dieses Heims dort zugestoßen ist: dass die Pfleger die Bewohner duzten; dass sie einfach grob zupackten, anstatt die alten Menschen vorzuwarnen, wenn Pfleger sie anfassen, umbetten oder ihnen Augentropfen verabreichen wollten; dass sie immer wieder vergaßen, Medikamente zu geben. Alles eklatante Pflegemängel. Protokoll von Tochter Doris M., 17.12.2011.

    "Vaters Geburtstag. Vater weint nur noch, sagt immer 'Aua, aua', hält die Hand auf den Genitalbereich. Wir gucken nach und sehen handtellergroße Wunden auf beiden Seiten der Leiste und der Oberschenkel. Das Pflegepersonal hat das überhaupt noch nicht gesehen."

    Als Doris M. diesen Eintrag in das Protokoll in ihrem Computer schreibt, ist es gerade einmal zwei Jahre her, dass der Vater noch tanzen ging. Doris M. und ein paar ihrer Geschwister hatten ihn damals ins Auto gesetzt und zu einem Schützenfest gefahren.

    Mitsingen konnte er zwar nicht mehr, erzählt ihre Schwester Brigitte, "aber immerhin mitbrummen". An diesem Abend, sagt sie, stand er aus seinem Rollstuhl auf und tanzte mit seiner Tochter. Ein Mitarbeiter der Lokalzeitung fotografierte sie. In der Bildunterschrift stand nachher: "Tanzen trotz Rollstuhl. Dieses Paar genoss die Senioren-Kaffeetafel im Festzelt."


    Ermittlungen ergebnislos eingestellt

    Im Heim baute der Vater innerhalb weniger Monate dramatisch ab. Im Protokoll von Doris M. steht, dass die Pfleger ihn manchmal tagelang nicht wuschen und er deshalb teilweise schon richtig stank. Dass er die Zähne nicht geputzt bekam. Und dass er öfter in der durchnässten Kleidung des Tages schlafen musste, weil die Pfleger keine Zeit hatten, ihn umzuziehen. Die Verletzungen am Körper des Vaters hat Doris M. sogar fotografiert.

    Trotzdem stellte die Staatsanwaltschaft vor ein paar Wochen die Ermittlungen gegen vier Pfleger des Heims ergebnislos ein. In der Begründung schreibt die Staatsanwaltschaft, es sei nicht klar, ob die Pflegemängel, die es ohne Zweifel gegeben habe, "strafrechtliche Relevanz" hätten. Und selbst wenn: Es sei nicht klar zuzuordnen, welcher Pfleger dem Vater welche Verletzung zugefügt habe.

    Dass die Zahl der Gewaltdelikte in Heimen weiter ansteigen wird, ist wahrscheinlich. Denn im Jahr 2050, wenn die heute 40- bis 50-Jährigen potenziell pflegebedürftig sind, wird sich die Zahl der insgesamt Pflegebedürftigen etwa verdoppelt haben. Brutaler Umgang mit Bewohnern, dazu gehört auch die systematische Erniedrigung alter Menschen, ist schon jetzt ein Massenphänomen, sagt der renommierte Bonner Gerontopsychiater Rolf D. Hirsch. Genaue Statistiken darüber gibt es aber nicht.

    Denn was sich zwischen Pfleger und Gepflegtem abspielt, bleibt oft hinter verschlossenen Türen. Alte, kranke Menschen, zum Beispiel Demenzkranke, können Pfleger, die sie erniedrigen oder schlagen, nicht mehr verraten. Und selbst wenn: Wer würde ihnen glauben? Gerade dann, wenn das Heim offiziell gut bewertet ist. Die Einrichtung, in der Stephan M. lebte, hat von den Prüfern der Pflegekassen zuletzt die Schulnote 1,1 bekommen. Sehr gut. Das stellt auch die Aufsichtsbehörden und die Staatsanwaltschaften vor große Probleme. Ob ein alter Mensch Opfer von Gewalt geworden ist, lässt sich fast nie beweisen. Und ist es doch einmal der Fall, heißt das noch lange nicht, dass es auch zu einer Verurteilung kommt. "Im deutschen Strafrecht spielt die Verurteilung wegen Pflegefehlern oder Vernachlässigungen kaum eine Rolle", sagt der Hamburger Rechtsanwalt Ronald Richter, der sich auf Pflegerecht spezialisiert hat.

    Abgesehen von Fällen vorsätzlicher Gewaltanwendung und Körperverletzung, sei die Beweisführung schwierig. Es müsse belegt werden, dass der Körperschaden allein durch die mangelnde Pflege verursacht worden ist. Da aber eigentlich immer mehrere Ursachen vorlägen, bliebe den Richtern oft nichts anderes übrig, als die Beschuldigten aus Mangel an Beweisen freizusprechen. "Da machen sich viele Familien mit Pflegebedürftigen vergeblich große Hoffnungen auf die strafrechtliche Verfolgung."


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    17. 10. 2013 / 12:17:08

    Deutscher Neurologenkongress

    Demenz vorbeugen: Auf zwei Faktoren kommt es an

    Kreuzworträtsel allein können die geistige Fitness im Alter nicht aufrechterhalten.
    (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)



    Viele fürchten sich davor, im Alter vergesslich zu werden und nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne zu sein. Beim Deutschen Neurologenkongress in Dresden diskutierten deutsche Hirnforscher nun darüber, wie man  Demenz  und  Alzheimer effektiv vorbeugen kann. Die Forscher sind sich nun einig: Im Kampf gegen Demenz kommt es auf zwei Faktoren an.


    Demenzrisiko lässt sich beeinflussen

    Der Hirnforscher Professor Konrad Beyreuther aus Heidelberg erinnerte auf dem Kongress daran, dass das Demenzrisiko nur zur Hälfte durch genetische Faktoren bestimmt werde. Dies berichtet die Ärztezeitung. Die andere Hälfte lässt sich auf Faktoren zurückführen, die wir selbst beeinflussen können: So seien körperliche und geistige Inaktivität, Depressionen, Hypertonie und Übergewicht sowie Rauchen und Diabetes Risikofaktoren für Demenzerscheinungen im Alter. Wir haben es also zu einem großen Teil selbst in der Hand, wie es um unsere geistige Fitness im Alter bestellt sein wird.

    Sport oder geistige Aktivität allein bringen nichts

    Ausreichend körperliche Aktivität sei der wichtigste Faktor zur Prävention von Demenz, so die Ärztezeitung. Doch Sport allein reiche dabei nicht aus. Professor Notger Müller vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) wies auf Untersuchungen mit gesunden älteren Menschen hin, bei denen ein rein geistiges oder körperliches Training die kognitiven Fähigkeiten höchstens stabilisieren, nicht aber verbessern konnte. Die Kombination aus beidem hingegen konnte sie deutlich steigern.

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    Für Professor Gerd Kempermann vom DZNE Dresden gehören körperliche und geistige Aktivität ebenfalls zusammen, berichtet die Zeitung weiter. Kempermann wagte erste Erklärungsversuche für diesen Umstand. Demnach sei das Nervensystem zur Bewegung entstanden, zur Jagd und zur Flucht. Lebewesen, die sich nicht bewegen, hätten allenfalls rudimentäre neuronale Strukturen.


    Bewegung muss geistig anregen


    Auch Tierversuche zeigen, wie geistiges und körperliches Training zusammenwirken: Neue Nervenzellen bei Mäusen, die man viel Sport machen ließ, überlebten nur, wenn die Tiere auch kognitiv gefordert waren. Daraus lässt sich ableiten: Sport im Fitnessstudio und gleichförmiges Gewichtheben machen geistig also weitaus weniger fit als bisher angenommen. Besser ist demnach beispielsweise eine anregende Wanderung durch die Natur, bei der man nicht nur in Bewegung ist, sondern auch viele Eindrücke verarbeiten muss.


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    02. 10. 2013 / 10:27:12

    Häusliche Pflege

    Zwölf Minuten für Tabletten, Tropfen und tschüs!

    Immer mehr Kranke und Alte lassen sich zu Hause pflegen. Doch die Pflegedienste beklagen einen Zeitdruck, der die Qualität gefährde. Eine Lösung wäre mehr Geld – aber woher soll es kommen?



    Dann hetzt die Pflegerin mit schlechtem Gewissen und einem bedauernden "Gute Nacht!" hinaus aus der Wohnung. Denn in den 12 Minuten pro Patient sind auch die Fahrtzeiten eingerechnet. Und neben dem 86-Jährigen stehen noch 15 weitere Patienten auf ihrem Tagesplan.
    Mit Beispielen wie diesem warnen die Freien Wohlfahrtsverbände derzeit vor dramatischem Zeitdruck und Qualitätseinbrüchen in der häuslichen Pflege. Wo eine Pflegekraft vor einem Jahrzehnt noch 13 bis 14 Patienten pro Tour besucht habe, seien es heutzutage oft 16, geben Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt und Co. zu bedenken.

    Einzige Lösung: mehr Geld

    In ihrer Kampagne beteuerten sie, dass es für diesen Zeitmangel nur eine Lösung gebe: mehr Geld von den Krankenkassen. Andernfalls stünden den rund 120.000 Pflegebedürftigen in NRW, die daheim von einem Pflegedienst betreut werden, schlimme Zeiten bevor.
    Doch die Kassen, die auf Landesebene mit den Pflegeanbietern deren Vergütung aushandeln, sind störrisch – und damit verantwortungslos, wie Hermann Zaum meint, der Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege NRW.
    Diese Botschaft fand im Lauf der Woche viele Unterstützer. Etliche Zeitungskommentatoren forderten die Kassen auf, für die häusliche Pflege das nötige Geld lockerzumachen. Und auch seitens der Politik wurden Solidaritätsadressen an die Wohlfahrtsverbände und damit – so die verbreitete Gleichsetzung – an die Pflegebedürftigen ausgesprochen.

    Immer mehr Menschen brauchen Pflege

    Auch wie es zu dem Zeitmangel kommen konnte, erläutern die Verbände seit Montag unablässig bei Veranstaltungen im ganzen Land: Die Zahl der daheim Gepflegten stieg binnen zehn Jahren um rund 25 Prozent, die Personalkosten sprangen um etwa 20 Prozent, von den Kassen gab es im selben Zeitraum aber nur rund sieben Prozent mehr Geld – 13 Prozent zu wenig. Kein Wunder, dass die Gepflegten unter dieser Situation litten und zugleich der Pflegeberuf unattraktiver werde, wie Pflegeexperte Ulrich Christofczik von der westfälischen Diakonie konstatiert. Zweifellos gefällt dieser Trend niemandem: nicht der Politik, die parteiübergreifend das Motto "daheim statt stationär" in der Pflege postuliert; nicht den Hilfebedürftigen, die fast immer lieber in ihren vertrauten vier Wänden bleiben wollen; nicht den Kassen, die ebenfalls argumentieren, angesichts der Bevölkerungsalterung müsse die günstigere häusliche Pflege gestärkt werden; und schließlich schadet die Pflege unter Zeitdruck auch der gesamten Pflegebranche – weil ihr ein Fachkräftemangel droht, den sie mit derart schlechter Werbung für ihren Beruf kaum wird entschärfen können. Unterstützt von der scheinbar erdrückenden Kraft all dieser Argumente adressierten die Verbandsvertreter ihre Forderung (mindestens 13 Prozent mehr Geld) nun an die Kassen. Schließlich hätten diese 2012 einen bundesweiten Überschuss von gut fünf Milliarden Euro erwirtschaftet. Und bislang flössen nur zwei Prozent der Kassenausgaben in die ambulante Pflege. Selbst für den Zahnersatz der Deutschen gäben sie mehr Geld aus, so Hermann Zaum.

    Streit um die Kosten

    Doch der attackierte Verband der Ersatzkassen (VDEK) in NRW lenkte bislang nicht ein. Dort attestiert man der Kampagne eine leicht populistische Her-mit-den-Penunsen-Rhetorik. VDEK-Sprecherin Friederike Müller-Friemauth hält den Wohlfahrtsverbänden vor, die wahren Kosten ihrer Forderung zu verschweigen. Denn irgendjemand müsse dafür aufkommen – seien es die Pflegebedürftigen, andere Kranke oder gleich alle Versicherten.
    So müssten auch Pflegebedürftige mit einem deutlich erhöhten Eigenanteil rechnen, wenn die Pflege besser bezahlt würde. Ein Beispiel: Ein in der niedrigsten Pflegestufe eingeordneter Hilfebedürftiger zahlt derzeit für 23 Stunden im Monat einen Eigenanteil von rund 300 Euro. Die Stunde kostet in diesem Fall 32,16 Euro. Würde, wie von den Verbänden gefordert, die Vergütung um 20 Euro angehoben, könnte der Pflegebedürftige entweder nur noch 14 Stunden im Monat betreut werden – oder er müsste satte 750 Euro selbst hinlegen, rechnet Müller-Friemauth vor.
    Man könnte die Eigenbeteiligung natürlich in etwa stabil halten und dafür Hilfebedürftigen an anderer Stelle etwas wegnehmen, also Kassenleistungen verteuern. Wohlfahrtspflegesprecher Zaum brachte etwa den Zahnersatz ins Spiel. Dann hätten die Pfleger einige Minuten mehr Zeit pro Patient. Im Gegenzug stiege vermutlich die Zahl der Mitbürger mit Zahnlücke.
    Es gäbe noch eine dritte Finanzierungsmöglichkeit: Auf Bundesebene könnte man die Versicherungsbeiträge für alle gesetzlich Versicherten anheben, was niemand will. Schwierig wäre es dagegen, für die häusliche Pflege allein aus den derzeitigen Kassenüberschüssen Geld abzuzwacken, denn langfristig, da sind sich die Experten einig, wird es für die Kranken- und Pflegekassen keine Überschüsse mehr zu verteilen geben.

    Kassen sehen Klärungsbedarf

    Bevor aber zusätzliche Summen aufgetrieben und in die häusliche Pflege gepumpt werden, müssten laut Kassen zunächst zwei Fragen beantwortet werden. Erstens: Ist der Zeitdruck wirklich flächendeckend so schlimm wie von den Verbänden suggeriert? Ist der derzeit so viel zitierte Fall des einsamen 86-Jährigen wirklich die landesweite Regel? Wie viel Prozent der Pflegetouren sind wirklich so überfordernd wie in dem 16-Patienten-pro-Tour-Fall, den die Verbände gerne schildern?
    Und zweitens: Gibt es nachweisbar keine Möglichkeit, sparsamer mit dem Geld der Versicherten umzugehen? Wie viele Touren könnten besser geplant werden, wie viele Einzugsgebiete könnte man neu und ausgewogener zuschneiden? Und wie klug ist die Organisation der Arbeit durch die Pflegedienstleitungen? Könnte dort noch effektiver gearbeitet werden, um den Zeitdruck zu senken?

    Überlastung ohne Dokumentation

    Beim VDEK beklagt man, die Wohlfahrtsverbände hätten keine dieser Fragen beantwortet. Dabei fordert der VDEK die Verbände seit Jahren auf, lückenlos zu dokumentieren, welche Ausmaße die Überlastung der Dienste wirklich hat und wie effektiv die Verbände mit dem vorhandenen Geld umgehen. Letztlich sollen sie also professionelleres Controlling und Prozessmanagement betreiben. Doch was in jedem größeren Unternehmen selbstverständlich ist, stößt bei Caritas, Diakonie und Co. auf Zurückhaltung.
    Die ist zumindest so ausgeprägt, dass sie dreimal hintereinander mit ihren Geldforderungen an der neutralen Schiedsperson scheiterten, die die verfahrenen Verhandlungen mit den Kassen lösen sollte. Stets verlangten auch die Schiedsleute mehr Transparenz der Verbände.
    Warum wird die nicht geschaffen? Darauf geben die Verbände bislang keine Antwort. Womit sie Spekulationen und – womöglich völlig unbegründete – Vorwürfe nähren. Etwa den Vorwurf, dass es für sie Wichtigeres gäbe als das Wohl des einsamen 86-Jährigen, der sich nach Zuwendung sehnt und stattdessen von einer gehetzten Pflegekraft binnen zwölf Minuten blitzversorgt wird.

    Quelle

    09. 09. 2013 / 10:24:20

    Ambulante Pflege

    Pflegegeld

    Pflegebedürftige sollen selbst darüber entscheiden, wie und von wem sie gepflegt werden möchten. Sie haben deshalb die Möglichkeit, Sachleistungen (Hilfe von Pflegediensten) oder Pflegegeld in Anspruch zu nehmen. Voraussetzung für den Bezug von Pflegegeld ist, dass die häusliche Pflege selbst sichergestellt ist, z.B.durch Angehörige oder andere ehrenamtlich tätige Pflegepersonen. Das Pflegegeld wird dem Betroffenen von der Pflegekasse überwiesen. Dieser kann über die Verwendung des Pflegegeldes grundsätzlich frei verfügen und gibt das Pflegegeld regelmäßig an die ihn versorgenden und betreuenden Personen als Anerkennung weiter. Um eine optimale, auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Pflege zu gewährleisten, ist es möglich, den Bezug von Pflegegeld mit der Inanspruchnahme von Sachleistungen zu kombinieren. Das Pflegegeld vermindert sich in diesem Fall anteilig um den Wert der in Anspruch genommenen Sachleistungen.



    Rechenbeispiel: Kombination von Pflegegeld und Sachleistungen

    Ein Pflegebedürftiger der Pflegestufe I nimmt Sachleistungen durch einen Pflegedienst im Wert von 225 Euro in Anspruch. Der ihm zustehende Höchstbetrag beläuft sich auf 450 Euro. Er hat somit die Sachleistungen zu 50 Prozent ausgeschöpft. Vom Pflegegeld in Höhe von 235 Euro stehen ihm noch 50 Prozent zu, also 117,50 Euro.



    Wie bemisst sich die Höhe des Pflegegelds?

    Das Pflegegeld ist wie die Sachleistung nach dem Schweregrad der Pflegebedürftigkeit gestaffelt. Das Pflegegeld bei Pflegestufe I beträgt 235 Euro monatlich, bei Pflegestufe II 440 Euro und bei Pflegestufe III 700 Euro im Monat.
    Pflegebedürftige in vollstationären Einrichtungen der Hilfe für behinderte Menschen haben Anspruch auf ungekürztes Pflegegeld anteilig für die Tage, an denen sie sich in häuslicher Pflege befinden.



    Pflegegeld für Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz

    Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz – das sind vor allem an Demenz erkrankte Menschen – erhalten in der sogenannten Pflegestufe 0 seit dem 1. Januar 2013 erstmals Pflegegeld oder Pflegesachleistungen. Das Pflegegeld beträgt hierbei 120 Euro im Monat. In den Pflegestufen I und II wird für diese Personen der bisherige Betrag des Pflegegeldes aufgestockt. Hier liegt er bei monatlich 305 Euro in Pflegestufe I und bei 525 Euro in Pflegestufe II.



    Wird während der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege weiterhin Pflegegeld gezahlt?

    Während der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege wird bis zu vier Wochen je Kalenderjahr die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes weitergezahlt.



    Quellen

    09. 09. 2013 / 09:43:04

    Demenz

    Unter dem Begriff Demenz werden verschiedene Erkrankungen zusammengefasst, die alle mit einem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit und einer Persönlichkeitsveränderung einhergehen. Die häufigste Form der demenziellen Erkrankung ist die Alzheimer-Krankheit.



    Woran erkenne ich Demenz?

    Demenzielle Erkrankungen äußern sich im Anfangsstadium mit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit. Im weiteren Verlauf verschwinden zudem bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses. Betroffenen verlieren zunehmend Fähigkeiten, die sie während ihres Lebens erworben haben, wie zum Beispiel Sprechen oder Rechnen.
    
Durch den Verlust der gedächtnisabhängigen Fähigkeiten haben Demenz-Patienten mit zunehmendem Krankheitsverlauf Orientierungsschwierigkeiten. Dies betrifft sowohl die eigene Person (wer bin ich?), als auch die Umgebung (wo bin ich?) oder das aktuelle Geschehen (was passiert gerade?). 
Beeinträchtigt ist neben der Orientierung auch die Urteilsfähigkeit. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto mehr sind die Betroffenen bei ihren Alltagsaktivitäten, wie etwa Waschen, Kochen oder Einkaufen, auf Hilfe angewiesen.



    Veränderngen der Persönlichkeit

    Die Demenz-Erkrankung ist damit nicht nur eine "einfache" Gedächtnisstörung. Die Erkrankung zieht den ganzen Menschen, seine Wahrnehmung, sein Verhalten und sein Erleben in Mitleidenschaft. Die Demenz wirkt sich stark auf die Persönlichkeit des Betroffenen aus:

    Zum Teil werden soziale Rollen vergessen. Vor der Demenz kaum wahrnehmbare Persönlichkeitsmerkmale treten spontan in den Vordergrund. Die Betroffenen werden auch entgegen ihres eigentlichen Wesens aggressiv, zeigen starke Stimmungsschwankungen oder sind depressiv. Dadurch erschwert sich der Umgang mit den Demenz-Betroffenen für Angehörige und Pfleger erheblich.



    Demenz-Ursachen

    Demenz-Erkrankungen können bis zu 100 verschiedene Ursachen haben. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der primären und der sekundären Form der Demenz. Die sekundären Formen machen rund 10 % aller Krankheitsfälle aus. Diese ist Folgeerscheinungen anderer Grunderkrankungen (z.B. Stoffwechselerkrankungen, Vitaminmangelzustände und chronische Vergiftungserscheinungen durch Alkohol oder Medikamente), weshalb eine Rückbildung der demenziellen Beschwerden in der Regel möglich ist.

    In 90 Prozent der Krankheitsfälle handelt es sich um primäre Demenzen. Diese Formen sind irreversibel, d. h. unumkehrbar. Mit einem Anteil von 50 - 60 % ist die Alzheimer-Krankheit die häufigste Form der irreversiblen Demenz.
    In Deutschland leben heute rund 1,1 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Bis zum Jahr 2030 wird sich diese Zahl auf vorraussichtlich 1,7 Millionen erhöhen.



    Unterstützung bei Demenz

    Demenzerkrankungen bedeuten häufig eine hohe finanzielle Belastung. Mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz versucht die aktuelle Bundesregierung, die finanzielle Belastung bei Demenz abzumildern.
    
Vor allem deren pflegende Angehörige sollen durch das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz entlastet werden, welches ab 2013 greift. Nach der alten Regelung der "Pflegestufe 0" erhielten Betroffene, bei denen ein erheblicher Betreuungsbedarf festgestellt wurde, maximal 120 Euro im Monat.
Wer Familienmitglieder betreut, erhält nach der neuen Regelung von der Pflegekasse 100 Euro bei "erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz" und bis zu 200 Euro bei "in erhöhtem Maße eingeschränkter Alltagskompetenz"- auch ohne Pflegestufe. Das Geld wird gegen den Nachweis von durchgeführten Pflegemaßnahmen (z.B. Quittungen) von der Pflegekasse überwiesen. Zusätzlich haben Demenzpatienten Anspruch auf eine halbjährliche Beratung.



    Die "Pflegestufe 0"

    Werden Demenzkranke der Pflegestufe 0 zugeordnet, stehen ihnen nach der alten Regelung monatlich maximal 120 Euro zu. Liegt eine Betreuung durch einen ambulante Pflegedienste vor, kann ab 2013 der Zuschuss auf bis zu 225 Euro erhöht werden. Ebenso werden die Leistungen für Demenzkranke mit einer höheren Pflegestufe angehoben. Für die Pflegestufe 1 bedeutet dies einen monatlichen Zuschuss von 665 statt 450 Euro. Zusätzlich haben Angehörige, die einen Demenzpatienten mehr als 14 Stunden in der Woche betreuen, in Zukunft das Recht dies für ihre Rentenansprüche geltend zu machen. Sogar bei der Nutzung von Kurz- oder Verhinderungspflege wird das Pflegegeld zukünftig zur Hälfte weiterbezahlt. Bei stationärer Betreuung z.B. in einem Altenheim gibt es für Demenzkranke durch das Pflege-Neuausrichtungsgesetz keine Verbesserungen.



    Konkrete Hilfe bei Demenz

    Wenn ein Arzt die Diagnose Demenz stellt, sind die meisten Menschen im ersten Moment orientierungslos. Die Pflegeversicherung hilft dann mit entsprechenden Antragsformularen für finanzielle Leistungen weiter. Sie beauftragt auch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), der die Pflegestufeneinordnung oder die Feststellung der "erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz" übernimmt. Sollte es zu einer Ablehnung einer Pflegestufe kommen, kann es sich lohnen, gegen den Bescheid der Pflegekasse Widerspruch einzulegen. Bei individuellen Fragen und Problemen empfiehlt es sich, das sich die Angehörigen an einen Pflegestützpunkt, Pflegeberater oder spezialisierten Anwalt wenden.



    Quellen: Website des Bundesministeriums für Gesundheit; Wied, Susanne und Warmbrunn: Wörterbuch Pflege: Pflegetechniken, Pflegehilfsmittel, Pflegewissenschaft, Pflegemanagement, Psychologie und Recht. Berlin 2007, S. 787.

    25. 07. 2013 / 17:33:50

    Wenn die Kasse das Pflegegeld verweigert

    Wer Pflegegeld bekommen will, sollte sich wappnen.

    Jeder dritte Antrag scheitert – auch weil viele Versicherte nicht wissen, dass sie sich auf den Besuch der Gutachter gut vorbereiten müssen.

    Ach, Frau Müller, ob ich wohl eine Tasse Kaffee haben könnte?" Frau Müller strahlt, und die Tochter staunt: Ihre Mutter, eine zarte Person von 80 Jahren, die es sonst nicht einmal mehr schafft, sich ihre Abendbrotschnittchen sinnhaft zu belegen, dafür aber den Katzen im Garten regelmäßig ein paar Happen vom Balkon wirft, geht in die Küche und bekommt es tatsächlich hin, dem netten Herrn vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung einen Kaffee zu kochen. Was für ein Erfolgserlebnis! Leider nicht für die Familie. Kaum ist der Kaffee getrunken, klappt der Gutachter den Laptop zu und sieht seinen Job als erledigt an. Pflegebedürftigkeit? Ist hier doch wohl nicht der Fall. Auch wenn diese Erfahrung extrem sein mag – wer versucht, für sich oder einen Angehörigen die Pflegebedürftigkeit feststellen zu lassen, um dann von der Pflegekasse finanzielle Hilfen zu bekommen, hat es oft nicht leicht. Rund 834.000 Erstbegutachtungen hat der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) im vergangenen Jahr geleistet – hat sich also Menschen angesehen, die aus eigener Sicht oder der ihrer Angehörigen pflegebedürftig sind. Jeder dritte Antrag wurde abgelehnt. Sind die Gutachter zu streng? "Der Eindruck entsteht schon – zum Beispiel wenn die Pflegestufe an zwei, fünf oder sechzehn Minuten scheitert" sagt Gudrun Matusch, Pflegerechtsexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Oder wenn von den Richtzeiten ein, zwei oder sogar halbe Minuten abgezogen werden, weil der Pflegebedürftige noch minimal bei einzelnen Verrichtungen mithelfen kann."


    Quelle
    Foto: Infografik Die Welt

    18. 07. 2013 / 15:48:46

    Entscheidung in Brüssel

    Europaparlament erleichtert Arbeiten im Ausland

    Im europäischen Ausland zu arbeiten wird immer leichter: der Binnenmarktausschuss des Europäischen Parlaments hat die Reform der Richtlinie zur Anerkennung von Berufsqualifikationen verabschiedet. Pflegende, die gern einmal eine Arbeit in einem anderen Land der Europäischen Union (EU) aufnehmen möchten, können ihr Vorhaben jetzt leichter in die Tat umsetzen als bisher. Am vergangenen Dienstag (9. Juli) verabschiedete der Binnenmarktausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel die Reform der Richtlinie zur Anerkennung von Berufsqualifikationen. Das neue Gesetz erleichtert es, die eigene Ausbildung unbürokratisch europaweit anerkennen zu lassen, und soll nach dem Willen der Europa-Politiker den Fachkräftemangel in vielen Branchen bekämpfen. Eine Abstimmung im Plenum des EU-Parlaments wird voraussichtlich im September folgen. Monatelang hatte es so ausgesehen, als wären die nationalen Vorstellungen gerade hinsichtlich der Gesundheits- und Pflegeberufe unvereinbar. In zähen Verhandlungen haben die Verhandlungsführer des EU-Parlaments mit dem Rat und der EU-Kommission jedoch eine Lösung gefunden.



    Quelle

    18. 07. 2013 / 15:42:27

    Neue Geschäfts-adresse und Informationsstelle

    München

    Zum 01.07.2013 haben in Maximilianstr. 13, 80539 München eine weitere Geschäfts-adresse und Informationsstelle eingerichtet. Maximilianstraße liegt direkt im Herzen von München. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt sowohl die weltbekannte Staatsoper wie der Marienplatz mit Rathaus als zentraler Platz der Münchner Innenstadt und Mittelpunkt der Fußgängerzone.

    16. 07. 2013 / 16:08:33

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